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Gehirnsalat

Ich schreibe seit 2006 dieses Tagebuch. Ich habe den Krieg von 1982 mitgemacht. Meine Tochter aus erster Ehe wurde tot geboren, die Ehe geschieden. Ich hatte einen schweren Autounfall der mir eine schwere Amnesie hinterlassen hat die sich bis jetzt nur zum Teil wieder gelöst hat. Ich habe nach mehreren Behandlungen in der Psychatrie in Deutschland wieder geheiratet und meine zweite Tochter bei der Geburt verloren. Die Ehe ist daraufhin gescheitert. In Schottland habe ich 2009 eine Langzeittherapie begonnen. Einen Selbstmordversuch habe ich knapp überlebt und die Therapie mehr oder minder erfolgreich abgeschlossen. Ich leide unter posttraumatischen Belastungsstörungen die mit Medikamenten einigermaßen unter Kontrolle gehalten werden. Seit einiger Zeit lebe ich jetzt in Schottland und arbeite als Pferdepfleger.

Man kann mit seinem Schicksal hadern, man kann es auch getrost sein lassen.

Ihr / Euer KHK




Alle Einträge können Gewaltszenen enthalten. Jeder entscheide bitte für sich welchen Eintrag er lesen möchte und welchen nicht.


Hiermit distanziere ich mich von den Inhalten sämtlichen hier angebrachten Links.
(Hinweis entsprechend dem Urteil vom 12. Mai 1998 - 312 O 85/98 - "Haftung für Links" Landgericht (LG) Hamburg)

Fenster ins Jahr 1982:




Zum Thema Flashback




Hilfe bei Posttraumatischen Belastungsstörungen finden sich unter diesem Link:

http://www.angriff-auf-die-seele.de/ptbs/

Depressionen können tödlich sein! Nicht nur Soldaten leiden darunter, aber in Deutschland werden gerade sie nahezu im Stich gelassen.

Nehmt Hilfe an! Nehmt das Leben an!


Verfasst am 18.03.2010 00:23:07 Uhr
Nichts besonderes
Zwanzig mehr als auf den Falkland Inseln damals. 275 sind es jetzt. Schade das Helmut Schmidt so alt ist. „Wenn man weiß das man den Krieg den man gerade führt nicht gewinnen kann, so ist es an der Zeit Verhandlungen zu führen.“ Aber dies ist mit den jetzigen Führungen nicht möglich, weder mit der US- noch der Bundesregierung, erst recht nicht mit der britischen Regierung. Sie halten an der starren Regelung fest: keine Verhandlungen mit der Taliban. Dabei wäre die Taliban bereit dafür. Gibt es die Taliban überhaupt? Und in wie weit schädigt die Anwesenheit fremder Truppen Afghanistan? Wäre es ohne fremde Truppen nicht besser dran? Afghanistan in der Steinzeit, aber glücklich?

Großbritannien will seine Truppen aus Deutschland zurückziehen. 25000 Mann wären somit frei für Auslandseinsätze unter NATO-Führung. Wenn die Opposition in London am Ruder wäre. Wohin schicken wir diese 25000 Mann dann? Iran würde sich anbieten. Vereinsamt Deutschland dann nicht? Ich denke es wäre ein großer Verlust für Deutschland wenn die Briten abziehen würden, ganz abziehen. Der Letzte macht das Licht aus. Deutschland ohne die Briten? Geht das überhaupt?

Ben kann mittlerweile auf Sille im Paddock Runde auf Runde abspulen. Sille ist dabei sehr angespannt und schreckhaft. Einmal am Tag fliegt er mindestens vom Pferd wenn sie sich vor irgendetwas erschreckt. Der Frühling ist da. Kein Frost mehr in den letzten Nächten und tagsüber immer über zehn Grad. Selbst der Wind ist nicht mehr ganz so kalt. Bei den Damen herrscht eine gewisse Unruhe. Sie sind zickig und balgen sich mitunter ziemlich fies. Irgendein Idiot hat es geschafft Vinur auf die untere Weide zu lassen. Mitten in die Damen. Ich denke nicht das er seine Chance genutzt hat. Dafür waren die Damen viel zu zickig. Er kam auch recht freudig raus aus der Koppel als ihn geholt habe.

Pat macht sich an Pierce ran. Allerdings muss sie sich damit beeilen. Pierce steht auf der Liste zu gehen. Brian meinte der Knoten wäre geplatzt und er könnte wieder zurück zu seiner Einheit, allerdings erst wenn sie wieder hier in Großbritannien ist. Was nicht mehr so lang hin ist. Sofortbehandlung bei einer sofort ausgebrochenen PTSD kann wahre Wunder bewirken. Ansonsten hat es sich hier eingeschliffen. Gillian hat ihren Platz hier gefunden. Die beiden Haschischjungs haben Dauerküchendienst aufgebrummt bekommen und haben Dank meiner Aufsicht die saubersten Pferde des Hofes. Selbst wenn sie es wollten: Zeit zum Rauchen haben sie keine mehr am Tag. Noch zwei Lieber Tom Briefe sind aufgetaucht. Gerade rechtzeitig das Kathleen sich drum kümmern kann. Die Freundin macht Schluss, das geht ein Anker für die betreffenden Jungs flöten.

Übermorgen kann ich neue Berichte schreiben. Dann ist wieder eine Woche rum. Mitunter verliere ich das Gefühl für die Wochentage. Heute ist gar nicht Donnerstag, zum Beispiel. Viel Post ist heute angekommen für die Patienten. Die muss kontrolliert und ausgegeben werden. Gut kontrolliert werden die Päckchen. Drogen waren diesmal nicht dabei, wohl aber wieder Zigaretten. Die wandern in den Kamin. Die einzige Ersatzdroge hier ist Koffein. Sonst nichts.

Vier der Patienten ziehe ich mir momentan für das Ausreiten in einer Gruppe heran. Ewan versucht es ebenfalls mit vier Patienten. Gillian hat es da einfacher. Die versucht nur mit den Pferden heilend auf die Patienten einzuwirken. Wir hingegen müssen die Jungs fit für die freie Wildbahn machen. Geplant hatten wir zwar bereits einen Ausflug zu machen, doch Kathleen meinte das wir ziemlich naiv an die Sache heran gegangen wären. Sie hat da natürlich eine größere Erfahrung als ich. Erst wenn es gelingt das vier Leute auf vier Pferden auf Kommando bestimmte Manöver durchführen können, könnten wir daran denken auszureiten. Auf der anderen Seite sind gerade diese acht bereits sehr selbstsicher was Pferde und reiten angeht. Trotzdem hat Kathleen natürlich recht was das angeht.

Kathleen ist erst heute am Abend gekommen und gleich nach dem Abendbrot von Brian in Beschlag genommen worden. Die Tage wo sie in Edinburgh ist sind zwar nicht angenehm, doch ist abzusehen wann sie wieder hier sein wird. Eine depressive Stimmung kommt bei mir nicht wirklich auf wenn sie weg ist. Ich bin deshalb auch ausgeglichener was besonders die Jungs zu spüren bekommen. Der Zwangsaufenthalt von den Beteiligten der Schlägerei endet am Freitag. Dann geht hier wieder alles seinen gewohnten Gang. Ist ein bisschen Schade, denn dadurch das die Meisten im Zelt schlafen ist es im Haus angenehm ruhig.

Gillian hat sich hier zwar eingefügt, aber leicht hat sie es nicht. Ich denke das ihr die Jungs zu schaffen machen was ihre Art der Kommunikation angeht. Mrs. Puff ist dagegen mit Kevlar gepanzert. Noch schwerer wiegen da Flashbacks der Vets. Damit kommt sie nicht richtig klar, denke ich.
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Verfasst am 14.03.2010 18:58:55 Uhr
In der Haut von Oberst Klein....
Afghanistan, ein Krieg der in Deutschland nicht stattfindet.

http://www.zeit.de/2010/10/DOS-Kundus?page=all

Nach dem Lesen dieses Berichtes dürfte klar sein warum Oberst Klein den Luftschlag angeordnet hatte. Ist er wirklich ein Kriegsverbrecher oder nur ein Opfer? Über 140 Tote, darunter Frauen und Kinder. Klar, der Oberst ist Schuld.

Ist er das wirklich?

Afghanistan findet in Großbritannien im Vordergrund statt. Nicht nur weil eine Offensive der britischen Truppen in Helmand läuft die besonders unter den 3rd Riles zu Opfern führte. Nein, es ist die Verbundenheit mit der Truppe, die Verbundenheit zwischen Volk und Truppe, egal ob der Einsatz für gut befunden wird oder nicht. Die Truppe steht hier fest verankert im Bewusstsein der Bevölkerung während in Deutschland ein Soldat in Uniform in der Fußgängerzone unangenehm auffällt, nur weil er Uniform trägt. Hauptnachricht in den letzten Tagen hier: während eines Feuergefechtes wird der Zugführer von einer entsicherten Handgranate getroffen die ihm vor die Füße fällt. Instinktiv greift sich der nächste Soldat neben ihm die Handgranate und wirft sie wieder zu den Taliban zurück. Sie explodiert auf halben Wege. Der Soldat wird von Splittern getroffen und leicht verletzt. Diese Aktion findet unter Beschuss aus drei verschiedenen Richtungen statt. Es ist ein Mosaikstein des Krieges in Afghanistan. Der Rifleman erscheint in Interviews und man kann bereits an seinen Augen sehen das er recht bald auf unserer Warteliste stehen wird. Unheimliche Augen... In Deutschland kein Thema, hier schon. Keine Heldenverehrung, sondern Respekt gegenüber den Soldaten die dort unten im Einsatz sind, einem heißen Einsatz, einem ungewollten Einsatz, innerhalb eines Krieges der nicht gewonnen werden kann. Auch nicht von einer Armee die Afghanistan einmal in weiten Teilen besetzt gehalten hat. Aber die Soldaten die dort unten sind sind im Bewusstsein der Bevölkerung hier verankert und stehen im Vordergrund. Sie werden mit Transparenten und Musik begrüßt, sie ziehen in Formation feierlich in ihre Kaserne ein wenn sie zurück sind, unter Teilnahme der Bevölkerung.

Wie sieht das in Deutschland aus?

Ich möchte nicht in einer Bundeswehruniform in Kundus stecken um versteckt vor der Öffentlichkeit und von ihr unbeachtet wieder nach Hause zu kommen um festzustellen das sich niemand für die Sache da unten interessiert. Afghanistan findet nur statt wenn Fehler passieren, wenn es Zivilisten trifft. Schuld ist dann ein kleiner Oberst, nicht die Führung die die Jungs da unten im Sich lässt.

Das ist kein Kriegsblog.

Aber es ist Krieg da draußen. Ignoriert es nicht länger! Unterstützt eure Soldaten, denn sie können nichts dafür das sie da unten sind.




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Verfasst am 13.03.2010 08:25:49 Uhr
Drogen und Tadel
Nach der Schlägerei kurze Dienstbesprechung am Morgen. Kathleens Auge hat es voll erwischt. Sie sieht aus als ob sie die Weltmeisterschaft im Federgewicht nach einem kurzen aber hartem Kampf gewonnen hätte. Vor dem Spiegel ist sie geknickt. „Scheiße, das wird blau, oder?“ „Nicht nur, auch grün und braun.“ „Danke Henry, du bist so süß zu mir!“ Beim Verlassen der Wohnung streckt sie sich und das Auge ist für sie kein Thema mehr.

Da sie allgemein gemocht wird von den Patienten ist die Stimmung hier etwas gedrückt, besonders bei denen die aktiv an der Schlägerei teilgenommen hatte. Es waren ja nicht alle dabei gewesen, und diejenigen die nicht dabei gewesen waren sind geschockt darüber das man das Kathleen angetan hat.

Da nicht raus ist wer es war wird sie von allen behandelt als wäre sie ein kleiner Vogel der aus dem Nest gefallen ist. Eigentlich wollte sie nur normal arbeiten, doch sie wird vertäschelt wo es nur geht. Alle sind freundlich zu ihr, eimerweise freundlich, und alle bemühen sich ihr nicht aufs Auge zu starren.

So wie es aussieht war es ein „Lieber Tom Brief“ der den Ärger ausgelöst hatte. Ein Abschiedsbrief der Freundin eines der Jungs. Das ist hier doppelt hart zu ertragen, denn raus können sie nicht und für Besuch von außen sind die meisten noch nicht stabil genug. Also kann man es nur hinnehmen und wütend werden das das Leben so ist wie es ist. Dagegen machen kann man nichts. Briefe schreiben, eMails oder Telefonate nach Genehmigung durch den Colonel ist das Höchste was man einem „Lieber Tom Brief“ hier entgegensetzen kann. Für die Jungs jedenfalls.

Dumm gelaufen wenn dann auch noch andere Jungs Witze reißen und bewusst oder unbewusst provozieren. Dann gab es nach dem 1:0 wohl noch ein Paar passende Spotkommentare in Bezug auf den Lieblingsverein und ein Paar vergleichende Worte in Bezug auf Verein und Freundin und das wars. Kathleen war mittendrin und hat einen Ellenbogen abbekommen als zwei der Vets dazwischen gingen wobei das die Jungs dazu ermunterte die Vets geschlossen anzugreifen die sich dann in Dompteurmanier mit Stühlen gegen die Jungs zu Wehr gesetzt hatten. Auf Seiten der Vets ein Kratzer, auf der Seite der Jungs ein ausgekugelter Arm, eine Platzwunde und mehrere Schürfwunden sowie ein verstauchter Finger. Zeitweise sah die Küche aus wie ein Verbandsplatz. Mrs. Puff, unsere multifunktionale Lehrerin, ist ausgebildete Krankenschwester und hat die Jungs versorgt. Pierce hat die Platzwunde genäht. Einfach so. Brian meinte das die Schlägerei dann doch noch etwas gutes gehabt hätte. So konnte man bei Pierce deutlich sehen das sein Knoten geplatzt wäre und das die letzten intensiven Behandlungstage großen Erfolg gebracht haben.

„Okay, stillhalten. Jetzt kommt der erste Stich.“ Pierce setzt zum nähen an, der Junge zieht den Kopf zurück. „Bekomme ich keine Narkose?“ „Scheißenein, wir sind doch nicht beim ungarischen Staatsballett. Und stillhalten, verstanden?“ Der Junge nickt und schielt auf die Nadel von Pierce. „So, jetzt tut mir das gar nicht weh,“ sagt Pierce und sticht zu. „Wooop!“ Die Nadel fährt durch die Haut. Er hält den Kopf still, und Tränen laufen über seine Wangen hinunter. „Okay, zwölf Stiche, nicht schlecht,“ sagt Pierce. Er hält den Kopf schräg und mustert sein Werk. „Wenn ich jetzt noch hier und da zwei Stiche mit farbigem Garn mache sieht es aus wie ein Smilie, soll ich?“ „Wohl verrückt geworden, was, man? Scheiße, ehrlich.“ Pierce grinst, der Patient verschwindet kopfschüttelnd.

Als nächstes wird der Arm wieder eingerenkt. Auch das erledigt Pierce während Mrs. Puff die leichteren Fälle zusammenklebt. Die ausgerenkte Schulter rutscht einfach wieder da hin wo sie hingehört und wird anschließend ruhig gestellt. Die Fahrt zum Arzt am Morgen und die Röntgenaufnahme zeigen das die Behandlung erfolgreich war. Zwei Wochen lang keinen Stalldienst. Das Gleiche gilt für den verstauchten Finger. Noch so eine Schlägerei und der Stalldienst bleibt komplett an Ewan und mir hängen. Gillian hat von dem ganzen Lärm übrigens nichts mitbekommen. Sie geht halt früh schlafen.

Die Schlägerei war ein Rückschlag für unsere Arbeit. Brian war stinkig denn das bedeutet für ihn das er nicht nach Edinburgh fahren kann. Eigentlich hätte er dieses Wochenende frei gehabt und zwischen ihm und Allen scheint es zu kriseln. Einen dicken Klopfer gab es dann kurz vor dem Mittag als Ewan zwei der Jungs rauchend hinter dem neuen Stall entdeckt hatte. Das gab ein noch größeres Hallo als die Schlägerei, denn es stellte sich heraus das nur zur Hälfte Tabak in den selbstgedrehten Zigaretten steckte. Die andere Hälfte bestand aus Gras.

Noch ein Rückschlag. Nach einer Besprechung wird das Mittagessen ausgesetzt. Es ist rausgekommen das die Patienten Pakete erhalten haben. Was nichts ungewöhnliches ist. Allerdings wurde es versäumt das die Pakete untersucht wurden ehe sie ausgegeben worden sind. Ich hatte meinen freien Tag als sie gekommen waren und Ewan war wohl nicht ganz klar das er sie dann öffnen müsste. Also gab es ein Donnerwetter für Ewan und mich und anschließend wurden die Zimmer durchsucht, den ganzen Mittag und Nachmittag und weiter bis in den Abend hinein. Das hebt nicht die Stimmung. Weder bei den Patienten noch bei denen die durchsuchen müssen. Brian war sowieso schlechter Stimmung. Er führte Drogenschnelltest durch bei allen im Hause, sogar bei sich selbst.

Danach gab es Einzelgespräche mit allen bei denen etwas auffällig gewesen ist. Sogar Gillian musste zum Chef ins Zimmer, hinterher war sie ziemlich geknickt. Da die Durchsuchungen sehr viel Zeit in Anspruch nahmen wurden die Patienten kurzer Hand ausquartiert. Die Vets bauten mit den Jungs draußen die Zelte auf. Es dauerte nicht lange und es stand eine kleine Zeltstadt vor dem Haus. Wer maulte bekam Holz und die Erlaubnis eine Brücke über den Bach zu bauen. Brian gab dann Feuerholz und Kochutensilien sowie das fast fertige Mittagessen nach draußen ab. Von Patienten hatte er gehörig die Schnauze voll.

Das Team traf sich in der Küche für ein Brot auf die Hand. Ewan war geknickt, Gillian erst gar nicht erschienen und Kathleen sah immer wieder besorgt zu Brian. Brian sah wirklich nicht gut aus. Vulkan kurz vor dem Ausbruch und niemand wollte mit einem Spaten ein Loch bei ihm graben. „Das ist eine verficktbeschissene Situation,“ polterte schließlich Brian los. „Ja, es ist dicht davor das es uns aus den Händen gleitet,“ sagte der Doktor. „Wie immer hast du Recht, aber verficktbeschissen trifft es besser.“ Brian knallte seine Tasse auf den Tisch das der Kakao raus schwappte. „Wir sind zu wenig Leute, ganz einfach.“ Brian warf es in die Runde als Feststellung. „Und das las ich mir auch nicht mehr gefallen. Diese dämlichen Sesselpupser und Tintenpisser... tschuldige Kathleen. Henry und Ewan, das mit der Post war Scheiße. Das hätte nicht passieren dürfen.“ Zeitgleich sagten wir „Sir.“ Mehr gab es da nicht zu sagen. Brian kann mit Fehlern leben die man zugibt, mit Ausreden jedoch nicht. Dann gibt es Ärger.

Es entstand eine Pause. „Wenn wir den Ausritt gemacht hätten...“ begann sein Kollege. „Dann hätten wir trotzdem das hier am Hacken.“ Brian hält ein Tütchen mit Haschisch hoch das er dann auf den Tisch wirft. „Scheiße!“ Noch ein Ausruf von Brian. So habe ich ihn selten erlebt. „Wir fangen fast bei Null an. Gruppendynamik im Arsch und Drogen an Bord. Das muss Konsequenzen haben. Vorschläge?“ „Wir hatten gesagt das bei derartigen Fällen die Koffer gepackt werden müssen. Das wäre mein Vorschlag,“ sagt der Doktor. „Die beiden Jungs nach Hause schicken?“ fragt Ewan. „Dann könnt ihr mich gleich mitschicken. Schließlich habe ich die Drogen ins Haus gelassen.“ „Ich habe jetzt schon zu wenig Leute, da macht es keinen Sinn von den wenigen noch welche nach Hause zu schicken. Außerdem denke ich das du daraus gelernt hast, und auf dich verzichten möchte ich nicht. Weitere Vorschläge?“ Brian sieht in die Runde.

Es entsteht eine Pause. „Ich denke das sie noch gar keine Zeit hatten intensiv Gras zu rauchen,“ sagt Kathleen vorsichtig. „Statt sie weg zuschicken sollten wir sie ran nehmen das sie sich wünschten die Koffer packen zu dürfen. Außerdem habe ich zugesehen wie sie die Zelte mit den Vets gebaut haben. So tief im Arsch ist die Gruppendynamik nicht. Und die beiden Jungs sind aufnahmefähig und wollen etwas bewirken.“ „Henry?“ Brian sieht mich an. „Der eine hat den verstauchten Finger, da wird es etwas schwierig ihn hart ranzunehmen...“ „Es wird ja wohl etwas geben was er mit einer Hand machen kann, ich meine außer zu onanieren,“ poltert Brian. Kathleen prustet in ihre Tasse. „Gut, reicht für heute. Strenger Verweis für beide, Tadel für Henry und für Ewan.“ Brian reckt sich. „Ich gehe ins Bett. Wer führt draußen die Aufsicht?“ „Ich mache das,“ sagt Ewan. „Mein Zelt steht schon. Aber erst müssen wir noch zwei Patientenzimmer und die Duschen untersuchen.“

Wir gehen auseinander. Brian verschwindet auf sein Zimmer. Gegen zehn kehrt Ruhe ein im Haus. Vor dem Haus ist es etwas ausgelassener. Da brennt ein Feuer und es herrscht Stimmengewirr. Alle Sachen die die Patienten mit raus genommen hatten wurden vorher durchsucht. Gras, Klingen, ein Handy, ein Nintendo, alles Sachen die sie nicht haben sollen wurden gefunden. Ob wir alles gefunden haben bezweifle ich, dafür ist der Hof einfach zu groß und die Patienten haben zu viel Zeit um sich Verstecke zu suchen.

Nach den Durchsuchungen bin ich mit Kathleen in die Wohnung. Wir konnten längere Zeit nicht einschlafen, hatten die Arbeit mit nach Hause genommen. Diskutiert über die weiteren Schritte. Schließlich fragte Kathleen: „Du hast von Dad einen Tadel bekommen. Ist das schlimm für dich?“ „Nein, es ist ja berechtigt. Schlimm wird es erst wenn es drei sind.“ „Wieso?“ „Dann werde ich nach Schottland verbannt.“ Sie lacht.
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Verfasst am 12.03.2010 08:24:06 Uhr
Die letzten Tage
Irgendwo ist man dann doch sauer. Während des Mittagsessen hat es mir gereicht. Ich habe mir eines von den Fleischbällchen genommen und bin raus. Jacke übergeworfen, Tür vom Haupthaus bis zum Anschlag aufgerissen und noch vom Podest aus habe ich den Fleischball auf den Hof geschleudert. Er kam auf dem Boden auf, sprang wie ein Flummi wieder hoch, prallte mit einem lauten Klong gegen das Fallrohr der Dachrinne und wieder zurück zum Hof wo er mit einem Dong auf einem Auto landete das gerade auf den Hof fuhr. Der Wagen kam knirrschend zum stehen. Kathleens Gesicht, etwas entsetzt, an der Windschutzscheibe. Der Ball suchte das Weite. Hinter mir sprang die Tür wieder auf. Eine Bande johlender Kids kam heraus die ebenfalls ihre Fleischbällchen unter großem Gelächter in den Hof warfen.

Kathleen steigt aus und kommt zu mir herüber. Die Jungs gehen auf den Hof und verfolgen ihre „Flummis“. „Seit wann spielt ihr mit Flummis?“ fragt sie lächelnd. Ein süßer Kuss dann sage ich: „Das sind keine Flummis, das ist unser Mittagessen.“ Sie sieht etwas verwirrt aus. Ich brülle über den Hof: „Mit Essen spielt man nicht, verdammt noch mal!!“. Das hindert die Jungs jedoch nicht daran etwas leiser mit ihrem Mittag zu spielen. „Na, dann kommt das hier ja genau richtig,“ sagt Kathleen und hält zwei weiße Plastiktüten hoch. Hmmm lecker, noch mehr Plastik, denke ich. Doch es sind Scampis, ganz frisch und Salat. „Habe ich im Handumderehen fertig sagt sie und verschwindet im Haus.

Pierce erscheint in der Haustür mit zwei seiner „Fleischbällchen“. „Die solltest du dir echt patentieren lassen,“ sage ich zu ihm. „Ich fand sie lecker,“ sagt er und beisst in einen der beiden. Er versucht es zumindest. „Na dann: viel Spaß beim kacken.“ sage ich. Pierce grinst und wirft den zweiten Ball auf den Hof wo dieser abprallt und einen der Jungs am Kopf trifft. Allgemeine Heiterkeit auf dem Hof. Besser als Geprügel und Geheule denke ich.

Ich gehe rauf in die Wohnung. Kathleen steht am Herd wo bereits die Scampis brutzeln. Sie ist unheimlich geschickt dabei. „Du hast doch Zeit dafür?“ fragt sie über die Schulter. „Ja, ich habe bis Zwei Pause.“ Kurz darauf essen wir. Wir erzählen uns die letzten Tage. Die Sonne scheint in die Wohnung, auf der oberen Weide jagen sich der Doktor und der Captain im Frühlingslicht. Ein kleines perfektes Mittagessen. Eigentlich wollte Kathleen die Scampis zum Abend machen...

Am Nachmittag Dienstbesprechung. Wer macht wann was mit wem und wo. Kathleen wird völlig eingeplant, inklusive einer Gruppensitzung. Die Frage nach dem geplanten Ausritt endet niederschmetternd. Erst hören sich alle an was Ewan und ich geplant hatten. Eine knappe Woche mit den Reitpferden und zwei Lasttieren mit den meisten Kids raus. Entlang der Nordsee rauf zum Firth, daran entlang und wieder zurück über den höchsten Berg der Grafschaft. „Das wird nicht gehen Henry. Ich kann ja wohl schlecht eine Woche lang nicht arbeiten. Ich meine ohne Reitpferde...“, sagt Gillian.

Eine Reittherapeutin ohne Pferde... natürlich nicht optimal. Eine Woche im Freien wäre auch nichts für sie außerdem ist sie gerade in einer wichtigen Phase was verschiedene Patienten von ihr angehen würde. Sie wusste das wir das seit einer Woche intensiv planten. Entlang der Route hatten wir bereits Versorgungspunkte telefonisch abgemacht, bei anderen Reiter- oder Bauernhöfen. Fast alles stand bereits. Wetterabhängig hätte es Sonntag losgehen können.

Pustekuchen. Brian entschied zu Gunsten von Gillian. Wahrscheinlich macht sie es nicht mal mit Absicht. Brian meinte das es dann eben beim nächsten mal klappen würde. Das denke ich nicht, irgendeinen Grund wird Gillian dann schon finden. Im Gegenzug habe ich Lizzy aus der Liste „ihrer“ Therapiepferde gestrichen. Ein kleiner Gegenschlag den sie mit Stirnrunzeln quittierte. Vorgehabt hatte ich das schon. Lizzy legte in letzter Zeit seltsame Marotten an den Tag was das Reiten anging. Gillian hat eben eine andere Art ein Pferd zu bewegen als ich.

Enttäuschung bei den Jungs die sich bereits die Route angesehen und auf einer Karte abgesteckt hatten. Beim nächsten mal wird es schon klappen habe ich nicht zu ihnen gesagt. Das hätte wenig Sinn gehabt. Trotzdem habe ich das Training wieder aufgenommen. Ich bin kein Reittherapeut, dementsprechend gehe ich da anders zu Werke als Gillian oder Ewan. Da fliegen schon mal die Fetzen wenn bei dritten mal hinter einander falsch gesattelt wird (den Sattel falsch rum auflegen!) oder mal einen Knuff wenn verschiedene Riemen falsch eingestellt sind. Da bleibt eher etwas bei den Jungs hängen als wenn man wie Gillian die Pferde immer fertig zum Patienten bringt oder beim sechsten mal gesagt wird „bitte mach es beim siebten mal richtig.“

Mittlerweile sind wir so weit das ich mit einer Vierergruppe rausreiten kann. Erst sind wir immer innerhalb des Zaunes um die Weide geritten, jetzt reicht es zur kleinen Runde um den Hof. Es ist erstaunlich wie ernst die Rabauken ihre Sache nehmen und wie sehr es ihr Selbstvertrauen stärkt mit einem Pony zu arbeiten um es schließlich reiten zu können. Ben hat es gestern geschafft eine Runde um den Paddock auf Sille zu reiten. Dann blieb sie stehen und rührte sich nicht mehr. Die anderen Jungs haben ihn dann auf ihren Schultern zum Haus getragen wo das Ereignis gebührend gefeiert wurde. Sille ist jetzt total auf Ben fixiert so daß ich froh war das ich nur zweimal von ihr gezwickt worden bin als ich sie abgesattelt hatte.

Gestern Abend weit nach dem Abendessen dann Tumult im Aufenthaltsraum. Fußball was sonst. Niederlage für einen britischen Verein. Es war das erste mal das wir richtig dazwischen gehen mussten. Schlägerei mit Stühlen. Das ist nicht besonders gefährlich für mich, sondern für meinen Gegenüber da ich unbewusst zu Werke gehe. Es war recht schnell erledigt wobei dann Mrs. Puff einiges zu tun hatte um die Verletzten zu versorgen. Pflaster hier, Pflaster da. Ich wurde auf der Stallrunde über den Pieper gerufen und traf ein als das Handgemenge am Gröbsten war. Wer wie angefangen hatte ließ sich hinter her nicht mehr rauskriegen. Kathleen war mitten drin gewesen und hat eins aufs Auge gekriegt.

Brian hat den Nachtisch für alle Beteiligten gesperrt. Hört sich harmlos an die Strafe doch wer die Hauptgerichte kennt weiß wie wichtig ein fertiger Nachtisch sein kann wenn es zuvor Flummis gegeben hat.Wir haben alle Patienten nach der Schlacht auf die Zimmer geschickt und wollten es noch mal besprechen als es in der Küche wieder los ging. Diesmal etwas ernster. Einer der Vets ist mit einem Küchenmesser ausgerastet. Brian hat ihn wieder unter Kontrolle gebracht allerdings hat er mich in der Küche behalten und die anderen alle raus geschickt. Das zeigte schon wie ernst es war. Flashback ausgelöst durch die Handgreiflichkeiten im Aufenthaltsraum. Das ist eine haarige Angelegenheit, besonders wenn es einen Royal Marine betrifft die im Messerkampf besonders gedrillt werden. Brian hat ihn dann die Nacht über bearbeitet und Kathleen dazu geholt. Sie kam dann gegen drei ins Bett und ist sofort eingeschlafen.

Ich bin heute früh wieder auf die Stallrunde gegangen. Endlich ist es hell morgens, oder besser der Morgen graut ganz ordentlich wenn ich rausgehe. Es ist windiger geworden und bewölkt aber gefroren hat es nicht. Ich habe die Pferde versorgt wobei Ben dazu kam und wir haben sie raus gelassen. Anschließen bekam Vinur seine Streicheleinheiten. Jetzt warte ich darauf das Kathleen aufwacht. Sie wird einen Schreck kriegen denke ich, denn ihr Auge ist ziemlich geschwollen.

Gleich schreibe ich noch die Wochenberichte. „Ben hat es geschafft Sille zu reiten. Dadurch hat er sehr an Selbstvertrauen gewonnen und hat innerhalb der Gruppe an Achtung zugenommen.“ „Hekla verspricht mit zunehmender Dienstzeit ein älteres Pferd zu werden.“ Und so weiter. Für jeden ein zwei Sätze.
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Verfasst am 08.03.2010 23:00:55 Uhr
Die letzten Tage
Heute früh ist sie wieder gefahren, Donnerstag sehen wir uns wieder, villeicht sogar bereits am Mittwoch. Viel gesehen habe ich Kathleen am Wochenende nicht. Hier gibt es keine wirklichen Sonntage. Flashbacks haben keinen Urlaub oder eine 40 Stunden Woche. Dementsprechend geht der Dienst am Patienten unbeeindruckt vom Wochentag weiter. In Afghanistan ist ein weiterer britischer Soldat gefallen, dead by an gunshot, auch hier gibt es keinen Sonntag.

Kathleen kommt hier sehr gut an, besonders bei Pierce hat sie einen Stein im Brett. Eifersucht wurde ein Thema. Erstens hat sie mehr Zeit mit ihm verbracht und zweitens hat sie innerhalb einer enorm kurzen Zeit ein sehr enges Band zu ihm aufgebaut. Brian wollte sie sogar gar nicht gehen lassen eben weil sie einen Zugang zu Pierce gefunden hat. Freilich freigeschossen von mir, mit Platzpatronen, versteht sich.

Auch bei den Jungs kommt sie gut an und anders als Mrs. Puff achtet sie streng auf Respekt. Ben hat sie einen für seinen Hintern unschätzbaren Ratschlag gegeben. Er solle doch statt seiner Sandsäcke auf den Sattel laden. Anstandslos ließ sich Sille damit führen. Wahrscheinlich ist gar nicht das Gewicht im Sattel ihr Problem, sondern seine Beine und das stoßen mit dem Hacken in ihre Seiten.

Mit Gillian kommt Kathleen ebenfalls gut klar. Gillian hat sich ihre Klientel erarbeitet und bei den Leuten mit denen sie arbeitet hat sie bereits echte Fortschritte erzielen können. Sie arbeit konzentriert ohne das der Patient etwas davon merkt und geht auf den jeweiligen Patienten ein. Eine Eigenschaft die sie in Hinsicht auf Ewan und mir nicht besonders beherrscht. Da gehen mitunter die Ansichten über Patient und passendes Pferd auseinander. Aber wir besprechen viel und handhaben die Verteilung der Pferde auf die Patienten jetzt sehr offen.

Ben hat gute Fortschritte besonders heute mit Sille machen können. Es ist erstaunlich wie sehr die beiden voneinander profitieren. Ben ist viel selbstbewusster geworden und viel mehr aus sich heraus. Geklaut hat er schon lange nichts mehr und Sille beißt nur noch Gillian, wofür ich ihr mitunter in Form eines Leckerlies sehr dankbar bin. Tatsächlich können alle anderen hier Sille anfassen ohne Angst zu bekommen. Aber bis zum Reitpferd das sie mal war ist es noch ein ganzes Stück Arbeit.

In meiner Wohnung, oder unserer Wohnung, merkt man Kathleens Handschrift. Allerdings ist sie kein Vergleich zu Sabine. Kathleen bemerkt man eigentlich gar nicht. Sie lässt nichts liegen, ihre Schuhe stehen im Regal (viele sind es sowieso nicht) und im Badezimmer nehmen ihre Sachen nur den Bereich ein den sie im Schrank benötigt. Kein Vergleich zu Sabines erweiterter Sammlung an Schminkutensillien der letzten hundert Jahre oder der Schlampigkeit von Pat. Außerdem macht sie auch sauber, eine Eigenschaft die ich an ihr schätze, besonders weil ich aus einem meiner vorherigen Leben etwas ganz anderes gewohnt war.

Die Wohnung nebenan haben wir noch nicht als Ausweichquartier benützen müssen weil es zwischen uns Zoff gab. Das liegt zum einen daran das wir uns am Wochenende kaum gesehen haben und zum anderen daran das man nach einem ganzen Tag im nicht gerade warmen Wetter völlig erledigt ist. Es ist nicht besonders kalt. Tagsüber um die fünf sechs Grad, nachts kaum unter zwei Grad. Sonntag herrliches Sonnenwetter. Überhaupt können wir uns nicht beklagen. Wir können sogar die Weiden in die Arbeit mit einbeziehen und sind nicht nur auf die Longe und den Paddock angewiesen.

Vinur hat herrliche Fortschritte gemacht. Sonntag habe ich ihn einfach mal mitgenommen auf eine kleine Runde um den Hof. Ich habe ihn an Lizzy mit einem Führstrick gebunden und wir sind dann zusammen mit Kathleen losgeritten. In einem geruhsamen Tempo versteht sich. Ich will jetzt nicht unbedingt davon sprechen das er es genossen hat, doch ich denke er hat es genossen mal nicht nur im Kreis zu laufen. Der Tierarzt hat nichts gegen leichte Touren dieser Art. Aber übertreiben soll ich es halt noch nicht.

Lizzy braucht neue Schuhe. Das ist normal. Auch eine Reihe der anderen Pferde braucht neue Hufeisen. Das geht ins Geld. Das ist auch der Grund warum ich mich von Pat trennen musste. Vinur hat sich sehr gut entwickelt und ohne das ich Pat darum bitten musste hatte sie mir von sich aus die wichtigsten Behandlungsmethoden für Vinur gezeigt. So oft ich kann, jedoch mindestens zwei mal am Tag bearbeite ich seinen Rücken. Pat hat eine tolle Arbeit geleistet. Arbeitslos ist sie auf dem Hof jedoch dadurch nicht geworden. Sie behandelt bei Bedarf die verschiedenen Pferde und die entsprechenden Patienten gleich mit. Dabei ist es für die Patienten wohltuend sich mal nicht über ihre Macke unterhalten zu müssen. Brian bezahlt sie pro Pferd und nicht pro Stunde, trotzdem bleibt sie mitunter länger als sie es eigentlich müsste. Ich denke sie hat ein Auge auf Pierce geworfen. Natürlich kann ich mich auch irren.

Was mich abnervt sind Berichte die Brian anfordert. Jeden Freitag ist Stichtag für verschiedene Berichte die Samstag vorliegen müssen. Dabei habe ich das Pech das ich die menschlichen Patienten bewerten muss aber auch die Pferde. Noch mehr Pech habe ich mit meinem english Geschreibsel. Gesprochen kann ich mich verständigen, mitunter denke ich zeitweise auf english, oder fluche sogar auf englisch, aber schreiben... da kommt wieder die Amnesie durch. Brian meinte das ich mich einfach zu den Jungs setzen soll wenn Mrs. Puff Englischunterricht ereilt.

Ich denke das wir beide davon profitieren. Zwei Jungs habe ich innerhalb einer halben Stunde abgewöhnt das sie ständig die vulgären Varianten für Körperausscheidungen und Geschlechtsverkehr in den Raum brüllen wenn sie etwas falsch gemacht haben. Vielleicht hatten sie es auch einfach satt zwei Eimer verfickter Pferdescheiße in vorhalte einmal um den neuen Stall zu tragen, im Laufschritt versteht sich, wenn sie wieder einmal eines dieser Wörter benutzten, natürlich nur weil ich sie darum „gebeten“ hatte.

Brian meinte das es vielleicht ganz gut wäre das wir mal einen Ausflug mit denjenigen machen sollten die bereits gut genug sind im reiten. Also mal eine ganze Strecke weg vom Hof und zelten. Das würde wahrscheinlich allen Beteiligten ganz gut tun. Den Plan einmal quer durch Schottland zu reiten habe ich ja im Kopf. Das kann man zwar mit so einer Horde nicht machen, aber es wäre immerhin ein Anfang, ein erster Schritt in dieser Richtung. An diesem Plan arbeiten Ewan und ich momentan.

Ich weiß nicht ob ich es erwähnt habe, aber da gab es ja so ein seltsames Fußballspiel neulich. Deutschland gegen Argentinien. Ich hatte es mal im Aufenthaltsraum eingeschaltet, nur kurz freilich. Denn die Hand Gottes ist in Großbritannien nicht vergessen worden. Jene Hand Maradonnas die 1986 zum Rausflug der englischen Nationalmannschaft führte. Ich weiß nicht was alles nach dem Fernseher geworfen wurde als Maradonna gezeigt wurde. Es gibt da so einige Narben die zwischen Argentinien und Großbritannien nicht ganz verheilt sind...
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